Mein Hund, der Fleischfresser! Oder doch nicht?

Sind Hunde Fleischfresser? | veganpaws

Als ich anfing mich mehr mit der Ernährung meines Hundes zu beschäftigen, stand für mich komplett außer Frage, ob Hunde Fleischfresser sind oder nicht. BARF war meine Religion. Ich empfand Trockenfutter als Tierquälerei, da die extrudierten Kibbles viel zu weit weg von der natürlichen Nahrung des Wolfes, also auch meines Hundes waren. Penibel habe ich Tabellen erstellt und mich grammgenau an die Angaben gehalten. Ja, bei einem 2,5-kg-Chihuahua geht es halt um jedes Gramm (damals lebte noch mein liebster Milo bei mir, leider weilt er nicht mehr unter uns, aber das ist eine andere Geschichte).

Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass Hunde auch anders ernährt werden können.

Veränderung und Neuanfang

Doch dann veränderte ich mich. Erst wurde ich Vegetarierin und dann Veganerin und wie das eben so ist, kam ich ins Grübeln. Schnell war mir klar, dass ich nicht gegen die Ausbeutung von Tieren sein konnte und dennoch meinen Hunden tote Tieren zu fressen geben kann (Anm.: Das ist ganz allein meine persönliche Meinung). Dennoch konnte ich zunächst noch immer nicht glauben oder wollte es nicht wahrhaben, dass Hunde eventuell doch Allesfresser sind, zu abwegig war dieser Gedanke. Meine Hunde haben doch Reißzähne für was sollen die denn sonst gut sein als zum Fleisch zerteilen? Aber hey, ich bin ja offen für vieles und so las ich mich neu in die Materie der Hundeernährung ein. Die Erkenntnis kam wie ein Knall, der mein bisheriges Wissen in seinen Grundfesten erschütterte. Lag ich so lange wirklich so falsch?

Wolf Fleischfresser | veganpaws

Unser Hund ein Beutegreifer?

Alle physiologischen Eigenschaften deuten darauf hin, dass der Hund, genau wie sein Vorfahre der Wolf, Beutetiere erjagt. Aber ist das wirklich so? Jagen freilebende Hunde tatsächlich den Hauptbestandteil ihres Speiseplans selbst?

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass dem nicht so ist, denn wildlebende bzw. streunende Hunde aus verschiedenen Regionen der Welt fressen hauptsächlich das was Menschen übriglassen. Also Abfälle, Aas, menschliche Fäkalien und Reste der Ernte.

Hier mal ein paar Beispiele:

  • Eine Untersuchung mit Hunden aus Zentralindien ergab, dass Hunde gerade einmal 11% ihres Futters selbst erjagen. Der Rest bestand aus Aas, Ernte- und Essensabfälle, wie Reis und scharf gewürzte Soßen. Interessanterweise ernähren sich indische Straßenhunde vorrangig vegetarisch, da dies die übliche Ernährungsweise der Bevölkerung in diesem Land ist.
  • Die Zusammensetzung der Nahrung von Hunden aus Zimbabwe wurde ebenfalls in einer wissenschaftlichen Studie untersucht. Diese zeigt, dass sich die dortigen Hunde zu ¼ von menschlichen Fäkalien ernähren. Ein weiteres Viertel war ein Getreidebrei, der von Menschen zusammengestellt wurde. Bis zu 50% bestand größtenteils aus Aas, wobei die fleischigen Stücke bereits entfernt wurden und somit nur noch die Karkassen übrigblieben.
  • Der Speiseplan von freilebenden Hunden aus Chile setzte sich hauptsächlich aus Früchten, Samen, Abfälle und Nutztierresten zusammen. Die Untersuchung ergab auch, dass die chilenischen Hunde ungefähr 20% selbst jagen, sich die Beutetiere jedoch zu 1/3 aus Insekten und 2/3 aus kleinen Nagern zusammensetzen.

Allein diese Studien weisen eindeutig darauf hin, dass sich Hunde nicht ausschließlich und auch nicht hauptsächlich von toten Tieren ernähren oder gar jagen. Zusätzlich entspricht diese Nahrungszusammensetzung wohl kaum der BARF- oder Prey Model-Philosophie.

Koevolution Mensch und Hund

Es ist allgemein bekannt, dass die Evolution von Mensch und Hund eng verwoben ist. Eine Theorie des Ehepaars Coppinger besagt, dass sich die ersten Hunde dem Menschen als Abfallverwerter näherten. Dieses Verhalten scheint logisch, da es doch viel einfacher ist Speisereste zu erbeuten als ein Tier, das nicht gerne freiwillig stirbt und sich deswegen nicht wehrlos seinem Schicksal ergibt. Auch dies legt den Schluss nahe, dass Hunde nicht besonders wählerisch, in Bezug auf ihre Mahlzeiten, sind. Es gibt eben das was übriggelassen wird.

Auch ökologisch betrachtet ist es nur sinnvoll, dass sich streunende Hunde diese Nische ausgesucht haben. Im Vergleich zum Wolf, der perfekt auf die Jagd im Rudel angepasst ist, wäre ein Streuner eindeutig im Nachteil, wenn er die gleiche ökologische Nische besetzen würde. Der Konkurrenzdruck wäre zu groß, so dass das Überleben des Hundes nicht gesichert wäre. Somit haben Hunde ihre eigene, ganz neue ökologische Nische, in der Nähe menschlicher Siedlungen, erschlossen. Und sind wir doch mal ehrlich – Hunde sind Opportunisten, wieso sollte er sich die Mühe machen ein Beutetier zu erlegen, wenn das Essen sozusagen frei Haus auf die Mülldeponie geliefert wird. Hier erkennt man eindeutig, dass Hunde eine sehr große Anpassungsfähigkeit besitzen und ein wesentliches breiteres Nahrungsspektrum haben als Wölfe.

Die Genetik macht den Unterschied

Der Anpassungsprozess des Hundes hat auch vor seiner Genetik nicht haltgemacht. So war man lange davon überzeugt, dass Hunde keine Stärke verwerten können. Auch ich habe das unreflektiert geglaubt und war überzeugt, dass Getreide nur schlecht für meine tierischen Mitbewohner sein kann und sie im schlimmsten Fall elendig krepieren würden (natürlich etwas überspitzt dargestellt).

Auch in diesem Fall wurde ich, während meiner Recherche, eines Besseren belehrt. Hunde können nämlich sehr wohl Stärke verdauen. Hierfür ist die Bauchspeicheldrüse zuständig, die das Enzym Amylase bildet und somit Kohlenhydrate in kleinere Zuckermoleküle zerlegt. Doch im Gegensatz zum Menschen, bei dem die Amylase bereits im Mundspeichel aktiviert wird, findet die Zerlegung der Kohlenhydrate beim Hund erst später im Mitteldarm statt. Dies war auch der Grund für die Annahme, dass Hunde stärkehaltige Nahrungsmittel nicht verwerten können. Eine Studie aus dem Jahr 2013 von Erik Axelsson und Team belegt, dass dem modernen Hund mehr Kopien des Amylasegens (u.a. das AMY2B-Gen) als dem Wolf zur Verfügung stehen. So hat der Wolf lediglich zwei Kopien des Gens, wohingegen der Hund, je nach Rasse, bis zu 30 Kopien hat. Generell kann man also sagen je mehr Kopien vorhanden sind, desto höher ist die Amylase-Aktivität. Ergo kann der Hund deutlich besser Stärke und somit Getreide verwerten. Demnach ist Getreide kein schädlicher Bestandteil der Hundenahrung, insofern keine Allergien bestehen natürlich.

Fazit: Der Hund ist kein reiner Fleischfresser

Im Laufe seiner Evolution, an der Seite des Menschen, hat der Hund einige Anpassungen durchlaufen, die es ihm ermöglichen Stärke zu verwerten. Außerdem weisen die gezeigten Untersuchungen darauf hin, dass Beutetiere einen sehr geringen Anteil des Speiseplans ausmachen und Hunde sich vielmehr von Resten bzw. Abfällen ernähren. Schlussendlich ist es schlichtweg falsch zu behaupten Hunde seien obligate Fleischfresser, denn biologisch betrachtet „wurde der Hund mehr und mehr Omnivor“ (Meyer/Zentek 2013).

http://hundeprofil.de/sind-hunde-fleischfresser/ | Autorin: Marie Nitzschner (abgerufen: 11.02.2018)

Meyer, H., Zentek, J. (2013). Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik. Enke Verlag, Stuttgart.

Sommerfeld-Stur, I. (2016). Rassehundezucht: Genetik für Züchter und Halter. Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart, 24-25, 49.

Dillitzer, N., (2012). Tierärztliche Ernährungsberatung: Diätetik und Fütterung von Hunden, Katzen, Reptilien, Meerschweinchen und Kaninchen. Elsevier Urban & Fischer Verlag, München.

2 Idee über “Mein Hund, der Fleischfresser! Oder doch nicht?

  1. Janina sagt:

    Hi, es wäre super wenn ihr eine vegane Abobox anbieten würdet, vielleicht so für 15 Euro im Monat? Besonders Leckerlies wären interessant … soweit ich sehe gibt es sowas auch noch nicht.

    • Ramona Weiler
      Ramona Weiler sagt:

      Hi Janina,
      das ist tatsächlich eine sehr gute Idee. 🙂 Wir recherchieren mal ein wenig und sehen dann ob die Nachfrage groß genug ist.
      Ganz lieben Dank für deine Anregung. <3
      Liebe Grüße,
      Mona – veganpaws

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