Hundeernährung, Ratgeber

Offene, halboffene oder geschlossene: Hundefutter-Deklaration richtig verstehen Teil 2

Offene , halboffene oder geschlossene Deklaration Hundefutter-Deklaration richtig verstehen Teil 2

Inhaltsverzeichnis

  • Einblick in die Welt der Hundefutter-Etiketten
  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen
  • Problem: Mixing-Bowl-Prinzip
  • Geschlossene vs. Offene Deklaration: Ein detaillierter Blick
  • Fütterungspraxis – Das Wohl des Hundes im Fokus
  • Die Macht der Hundemenschen – Informiert Entscheidungen treffen
  • Verbesserungsvorschläge für Hersteller: Ein Weg zur Transparenz
  • Eine gemeinsame Mission für das Wohl des Hundes

Einblick in die Welt der Hundefutter-Etiketten

Heute nehme ich dich mit auf eine informative Reise in die Welt der Hundefutter-Etiketten. Ein wesentliches Detail, das übersehen werden kann, aber einen enormen Einfluss auf die Gesundheit deines Hundes hat, ist die Art der Deklaration auf den Hundefutterverpackungen.

Hier erfährst du alles, was du wissen musst, um die Unterschiede zwischen offenen, halboffenen und geschlossenen Deklarationen zu verstehen und wie diese eure Fütterungspraxis beeinflussen können. Leider ist es bisweilen schwierig auf den ersten Blick zu erkennen, was sich hinter den aufgelisteten Zutaten verbirgt.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

In Deutschland folgen Hundefutterhersteller strengen europäischen Vorgaben, festgelegt in der Futtermittelverkehrsverordnung (EG-VO 767/2009). Diese Regelung bestimmt, wie Zusammensetzung auf der Verpackung dargestellt werden muss:

  • Absteigende Reihenfolge: Inhaltsstoffe werden nach ihrem Gewichts- oder Prozentanteil aufgelistet
  • 3 Deklarationsarten: Geschlossene, halboffene und offene Deklaration.

Jede der drei Deklarationstypen hat ihre eigenen Merkmale und trägt auf unterschiedliche Weise dazu bei, wie du die Inhalte des Futters verstehen und bewerten kannst.

  • Geschlossene Deklaration: Dies ist die minimalistische Variante, bei der Zutaten in Gruppen wie „Öle und Fette“ oder “pflanzliche Nebenerzeugnisse“ in Kategorien zusammengefasst werden. Diese Art der Deklaration bietet einen allgemeinen Überblick, lässt jedoch spezifische Details vermissen.
  • Halboffene Deklaration: Einzelfuttermittel werden in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile gelistet. Prozentangaben fehlen hier meistens.
  • Offene Deklaration: Hier wird jedes Detail dargestellt. Jedes Lebensmittel wird einzeln aufgelistet, ergänzt durch genaue Prozentangaben. Diese Methode bietet eine detaillierte Einsicht in die Zusammensetzung.

Mixing-Bowl-Prinzip

Das Mixing-Bowl-Prinzip spielt hier eine wichtige Rolle, da es bei der Futtermittelproduktion bisweilen Anwendung findet. Dabei werden die Zutaten zum Zeitpunkt vor der Verarbeitung gewogen und gelistet, denmach wird das sogenannte Rohgewicht deklariert. Das kann zu einem verzerrten Bild führen, insbesondere wenn Zutaten mit hohem Wassergehalt wie frisches Gemüse oder Hülsenfrüchte in der Zusammensetzung vorrangig aufgeführt werden. Dieses Prinzip kann zu Missverständnissen führen, da es den Eindruck erweckt, dass bestimmte Inhaltsstoffe in höherer Menge vorhanden sind, als sie es beim fertigen Produkt tatsächlich sind.

Ebenso bedeutet es nicht automatisch, dass ein Hundefutter zu wenig Eiweiß enthält, wenn die Proteinquelle nicht an erster Stelle der Zutatenliste steht. Oft wird in der Rezeptur auf getrocknete Produkte oder Proteinmehle zurückgegriffen, die typischerweise weniger Wasser enthalten als frische Zutaten und somit kann das Hundemenü ingesamt höheren Proteingehalt aufweisen als es den Anschein macht.

Geschlossene vs. offene Deklaration: Ein detaillierter Blick

3 Typen von Futtermittel-Deklarationen Grafik

Die geschlossene Deklaration ist wie ein grober Überblick, während die offene Deklaration euch in die Tiefe der Inhaltsstoffe führt.

Ein konkretes Beispiel:

Bei der geschlossenen Deklaration steht bspw. einfach „Gemüse” oder “pflanzliche Nebenprodukte”, wohingegen du bei der offenen eine detaillierte Aufschlüsselung wie „Frisches Gemüse 20% (Kürbis 10%, Rote Bete 10%)“ findest.

Auch die Extra-Zutaten für die Vollwertigkeit eines Alleinfuttermittel, die sogenannten ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe, werden bei der geschlossenen Deklaration zusammengefasst – zum Beispiel unter dem Sammelnamen 'Mineralstoffe'.

So bleibt bei der geschlossenen Deklaration die Frage: Ist es hochwertiges Gemüse oder doch nur minderwertiger Füllstoff, die den Napf deines Lieblings füllen?

Die prozentuale Angabe der Rohstoffe bei der offenen Deklaration kann dir so eine präzise Vorstellung davon geben, was dein Hund tatsächlich zu sich nimmt. Jedoch ist wichtig zu wissen, dass Hersteller nicht verpflichtet sind, Prozentangaben zu machen. Wenn auf der Verpackung ein großes Bild oder eine Überschrift eine Zutat extra ausgelobt wird, dann muss auch wirklich offengelegt werden, wie viel Prozent mindestens davon enthalten ist.

Die Wahl einer offenen Deklaration wird von nur wenigen Herstellern bevorzugt, da sie weniger Flexibilität in Bezug auf Rezepturänderungen bietet. Diese Einschränkung betrifft besonders die Anpassungsfähigkeit an schwankende Nährstoffgehalte oder Veränderungen in den Einkaufspreisen der Rohstoffe.

Fütterungspraxis – Das Wohl des Hundes im Fokus

Wenn es um die Gesundheit deines Hunde geht, spielt eine transparente Deklaration eine tragende Rolle. Sie ermöglicht es dir, das Futter auf Zutaten hin zu untersuchen, die bei deinem Hund Unverträglichkeiten oder Allergien auslösen können. Außerdem ist es für bestimmte Aspekte der Hundeernährung, wie beispielsweise der Verdaulichkeit, wichtig zu erfahren, ob sich unter „Getreide“ Vollkornweizen oder Mais verbirgt. Geschlossene Deklarationen können leider dazu führen, dass du im Dunkeln tappst und dich fragst, ob vielleicht etwas zu verbergen versucht wird. Wenn die Zutaten nicht klar benannt sind, kann es durchaus zu Misstrauen führen, ob eventuell Zutaten enthalten sind, die nicht die beste Qualität haben.

Die Macht der Hundemenschen – Informiert Entscheidungen treffen

Als Hundebesitzer hast du das Recht und die Verantwortung, genau zu wissen, was du deinem treuen Begleitern fütterst. Bei einer geschlossenen Deklaration hast du die Möglichkeit, bei den Herstellern nachzuhaken und detaillierte Informationen einzufordern. Diese sind verpflichtet dir Auskunft zu geben. Diese Transparenz ist unerlässlich, insbesondere bei einer veganen Ernährung, wo die genaue Kenntnis über bspw. zugesetzte Aminosäuren entscheidend ist, da diese in pflanzlichen Quellen oft in zu geringen Mengen vorhanden sind.

Verbesserungsvorschläge für Hersteller: Ein Weg zur Transparenz

Ich lade Hersteller ein, in ihren Deklarationen offener und transparenter zu sein. Eine offene Auflistung von Zutaten, Mineralien, Vitaminen und Aminosäuren ist essentiell, um die Vollwertigkeit des Futters beurteilen zu können. Das ist besonders bei speziellen Ernährungsweisen wie bei der tierfreien Hundeernährung entscheidend, wo bestimmte Nährstoffe, wie bspw. schwefelhaltige Aminosäuren in ausreichender Menge oder Vitamin B12 werden zugeführt müssen. Dies schafft nicht nur Vertrauen zwischen Herstellenden, Verbrauchern und Verbraucherinnen, sondern ermöglicht es auch, das Futter besser an die individuellen Bedürfnisse des Hunde anzupassen.

Eine gemeinsame Mission für das Wohl deines Hundes

Abschließend möchte ich betonen, dass die Wahl zwischen offener und geschlossener Deklaration weit mehr als eine formale Entscheidung ist. Sie spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden deines Hundes. Lasst uns gemeinsam darauf achten, was wir ihnen geben, und immer das Beste für sie wählen. Eine offene Deklaration fördert nicht nur die Verwendung hochwertigerer Inhaltsstoffe, sondern auch ein bewussteres und gesünderes Leben für unsere geliebten Vierbeiner.

QUELLEN:

  • Zentek, J. (2016). Ernährung des Hundes: Grundlagen - Fütterung - Diätetik. Begründet von Helmut Meyer. S. 134
  • Zentek, J. (2016). Ernährung des Hundes: Grundlagen - Fütterung - Diätetik. Begründet von Helmut Meyer. S. 135

Über Julia Krech

Julia ist unsere Blogautorin bei veganpaws. Als leidenschaftliche Tierrechtsaktivistin beschäftigt sie sich seit über fünf Jahren mit veganer Hundeernährung und teilt auf unserem Blog ihre Erfahrungen und ihr Wissen. In ihrer Freizeit genießt sie lange Kuscheleinheiten mit ihrem Hund Emil, stöbert in soziologischen Büchern oder man findet sie auf der Tanzfläche. Hauptberuflich ist Julia als Sozialarbeiterin tätig.

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