Hundeernährung, Ratgeber

Die Rolle der Weender-Futtermittelanalyse: Hundefutter-Deklaration richtig verstehen Teil 3

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Inhaltsverzeichnis

  • Rechtliche & geschichtliche Hintergründe der Weender-Futtermittelanalyse
  • Die Gruppierung von Nährstoffen
  • Vergleich von Trocken- und Nassfutter
  • Wie lassen sich die beiden Futtersorten und vergleichen?
  • Moderne Alternativen zur Weender Analyse
  • Maßnahmen für präzisere Futtermittelanalysen

Rechtliche & geschichtliche Hintergründe des Weender-Futtermittelanalyse

Hast du dich schon einmal gefragt, was die Bezeichnungen Rohasche oder Rohfaser auf deinem Hundefutter bedeuten? In der gesamten EU ist die Deklaration der Inhaltsstoff-Gruppen, die durch die sogenannte Weender-Futtermittelanalyse gewonnen und berechnet werden, eine Verpflichtung und somit auf allen Verpackungen von Hundenahrung in Deutschland zu finden. Die Weender-Futtermittelanalyse fand ihren Ursprung im 19. Jahrhundert im heutigen Stadtteil Weende in Göttingen und stellt die derzeitig weltweite Standardmethode im Analyseverfahren der Futterinhaltsstoffe in Hundenahrung dar. Es handelt sich hierbei um eine sehr günstige und schnelle Möglichkeit, Futter zu analysieren und kann informierten Hundebesitzern helfen, die verschiedenen Sorten an Hundenahrung grob zu vergleichen.

Die Weender Analyse: Ein Überblick

Die Gruppierung von Nährstoffen

Im Unterschied zu anderen Verfahren, die spezifische Nährstoffe, wie Vitamin A oder Mineralstoffe wie Kalzium untersuchen, werden bei der Weender-Futtermittelanalyse ganze Gruppen an Stoffen zusammengefasst.

Dies lässt sich am Beispiel Rohprotein verdeutlichen: Die Gruppe stellt alle Eiweiße gesammelt dar, jedoch nicht die einzelnen Aminosäuren, die jedoch aussagekräftig und besonders bei veganer Hundenahrung extrem wichtig für die Bestimmung der Qualität sind. Leider gibt die Weender Methode lediglich Informationen über die Mengen bestimmter Nährstoffgruppen.

So verhält es sich auch beim Rohfett. Unter diesem Begriff verbirgt sich die Menge aller Fette und Öle, jedoch fehlt die Information, ob es sich um gut oder schlecht verdauliche handelt. Bei den Mineralstoffen, die als Rohasche zusammengefasst werden, wird die Futterprobe bei maximal 600 Grad Celsius verascht. Das, was übrig bleibt, bildet die Rohasche. Jedoch können auch eventuelle Verschmutzungen durch Sand oder Ton das Ergebnis verfälschen, da diese bei der Verbrennung ebenso übrigbleiben.

Vergleich von Trocken- und Nassfutter​

Interpretation der Analyseergebnisse

Die Deklaration in Stoffgruppen kann außerdem für viele Endverbraucher für Verwirrung sorgen, da sich in Trocken- und Feuchtnahrung unterschiedliche analytische Ergebnisse aufzeigen. Vergleichen wir beispielsweise das VEGDOG Farmer’s Crunch Trockenfutter mit dem Pauline-Nassfutter von vegan4dogs, sieht man schnell, warum diese Form der Kennzeichnung zu Irritationen führen kann:

Deklaration VEGDOG Farrmer's Crunch

Deklaration VEGDOG Farmer's Crunch

Deklaration VEGAN4DOGS Pauline

Deklaration vegan4dogs Pauline

Auf den ersten Blick scheint Trockenfutter reicher an bestimmten Nährstoffgruppen als Nassfutter zu sein. Das täuscht jedoch, da der Feuchtigkeitsgehalt nicht berücksichtigt wird. Um einen fairen Vergleich zwischen Trocken- und Nassfutter hinsichtlich des Protein- Kohlenhydrat-, und Fettgehalts zu ziehen, muss man Wasser abziehen. Solltest bei Trockenfutter keinerlei Angabe zum Wasseranteil vorfinden, dann kannst du pauschal mit 10% rechnen.

Wie lässt sich nun Trockenfutter und Nassfutter vergleichen?

Zuerst benötigen wie die analytischen Bestandteile der beiden Futtermittel:

Produkt

Rohprotein

Rohfett

Rohfaser

Rohasche

Feuchtigkeit

VEGDOG Farmer's Crunch

20,7%

7,7%

3,5%

3,8%

7,6%

VEGAN4DOGS Pauline

7,7%

3,8%

1,7%

1,4%

71,0%

Schritt 1: Berechnung der Trockensubstanz (TS)

Rechenweg: TS = 100% - Feuchtigkeit

Produkt

Rechenweg

Gehalt TS

VEGDOG Farmer's Crunch

TS = 100% - 7,6%

92,4%

VEGAN4DOGS Pauline

TS = 100% - 71%

29,0%

Wir sehen, dass 100g Trockenfutter 92,4g und 100g Nassfutter 29,0g Trockensubstanz beinhalten.

Schritt 2: Berechnung der Kohlenhydratmenge

Der Kohlenhydratanteil, auch NfE (Stickstofffreie Extraktstoffe) genannt, wird auf der Verpackung meist nicht angegeben, kann aber ganz einfach berechnet werden, indem von 100% die analytischen Stoffgruppen abgezogen werden, also:

Rechenweg: NfE = 100% - Rohprotein – Rohfett – Rohfaser – Rohasche - Feuchtigkeit

Produkt

Rechenweg

Gehalt NfE

VEGDOG Farmer's Crunch

NfE = 100% - 20,7% - 7,7% - 3,5% - 3,8% - 7,6%

56,7%

VEGAN4DOGS Pauline

NfE = 100% - 7,7% - 3,8% - 1,7% - 1,4% - 71,0%

14,4%

Schritt 3: Berechnung der tatsächlicher Gehalte

Um nun den tatsächlichen Protein-, Fett- und Kohlenhydratgehalt zu errechnen und dadurch Trocken- und Nassfutter vergleichen zu können, muss alles ins Verhältnis zur Trockensubstanz gesetzt werden. Der Einfachheit halber beziehen wir uns hier auf 100g der Trockensubstanz:

Produkt

Nährstoff

Rechenweg

Ergebnis

VEGDOG Farmer's Crunch

Protein: 20,7g in 92,4g TS

20,7g * 100 / 92,4g

22,4g

Fett: 7,7g in 92,4g TS 

7,7g * 100 / 92,4g

8,3g

Kohlenhydrate: 56,7g in 92,4g TS 

56,7g * 100 / 92,4g

61,4g

VEGAN4DOGS Pauline

Protein: 7,7g in 29,0g TS 

7,7g * 100 / 29,0g

26,6g

Fett: 3,8g in 29,0g TS 

3,8g * 100 / 29,0g

13,1g

Kohlenhydrate: 14,4g in 29,0g TS 

14,4g * 100 / 29,0g

49,7g

Ist alles erstmal ins Verhältnis gesetzt, sehen die Ergebnisse doch ein wenig anders aus als die Werte in der Originalsubstanz. In vielen Fällen hat Trockenfutter einen höheren Kohlenhydratanteil, wohingegen Nassfutter oft proteinreicher ist.

Moderne Alternativen zur Weender Analyse

Laut Helmut Meyer „[…] ist es heute allerdings möglich, die Nährstoffe in Futtermitteln weitaus präziser und spezifischer zu beschreiben.“ So ließen sich durch kostenintensivere Verfahren auch Rückschlüsse auf die Qualität der Öle und Proteine ziehen. Ballaststoffe, die unter dem Begriff Rohfaser zusammengefasst werden, könnten in unlösliche und fermentierbare unterteilt werden. Man kann also sagen, dass der aktuelle Standard der Weender-Futtermittelanalyse veraltet ist und durch modernere Verfahren, wie die Plasmaspektrometrie oder hochdruckflüssigkeitschromatografische Methoden überholt wurde.

Maßnahmen für präzisere Futtermittelanalysen

Da die Deklaration von Tiernahrung europäischen Gesetzen unterliegen, kann sich eine Änderung zu aktuelleren, genaueren Analyseverfahren nur vollziehen, wenn sich diese dahingehend ändern. Ansonsten ist es allenfalls die Eigenverantwortung der Hersteller, ihr Hundefutter präziseren Untersuchungen zu unterziehen.

Endverbrauchern sollte bewusst sein, dass die Zusammenfassung ganzer Stoffgruppen keine Aussagekraft über die Qualität der Hundenahrung bietet und erst durch eigenständige Berechnungen die Protein-, Kohlenhydrat-, oder Fettgehalte zwischen verschiedenen Futterarten zu erkennen sind. Es macht dahingehend Sinn, bei den Firmen, die Hundefutter produzieren, nach spezifischen Laboranalysen zu fragen und dadurch Druck auf die Hersteller auszuüben, durch unabhängige Laboranalysen die einzelnen Aminosäuren, Ballaststoff-Arten und Fettsäuren zu detektieren und sicherzustellen, dass in Alleinfuttermitteln tatsächlich alles enthalten ist, was ein Hund benötigt. Nur so können Tierärzte und Tierärztinnen und Hundebesitzer das passende Futter auswählen.

Quellen:

Über Julia Krech

Julia ist unsere Blogautorin bei veganpaws. Als leidenschaftliche Tierrechtsaktivistin beschäftigt sie sich seit über fünf Jahren mit veganer Hundeernährung und teilt auf unserem Blog ihre Erfahrungen und ihr Wissen. In ihrer Freizeit genießt sie lange Kuscheleinheiten mit ihrem Hund Emil, stöbert in soziologischen Büchern oder man findet sie auf der Tanzfläche. Hauptberuflich ist Julia als Sozialarbeiterin tätig.

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